Der Dipylon-Meister und seine engsten Werkstattkollegen - Neues zu Altbekanntem Die Erzeugnisse der Dipylon-Werkstatt, einer in Athen etwa von der Mitte bis in das 3. Viertel des 8. Jahrhunderts v. Chr. arbeitenden Keramikwerkstatt,...
moreDer Dipylon-Meister und seine engsten Werkstattkollegen - Neues zu Altbekanntem
Die Erzeugnisse der Dipylon-Werkstatt, einer in Athen etwa von der Mitte bis in das 3. Viertel des 8. Jahrhunderts v. Chr. arbeitenden Keramikwerkstatt, gehören zu den eindrucksvollsten Beispielen der attisch-geometrischen Keramik. Seit den grundlegenden stilistischen Arbeiten, insbesondere durch John N. Coldstream, wird neben der Hand des Dipylon-Meisters noch ein sehr enger Kreis von Töpfern bzw. Malern geschieden, die in unmittelbarer Nähe zum Meister arbeiteten (Coldstreams "closer associates"), zuweilen auch zusammen ein gemeinsames Werk dekorierten. Der vorliegende Beitrag zur Dipylon-Werkstatt widmet sich, ausgehend von einem erst 2014 bekannt gewordenen Dipylon-Fragment an der Universität Graz den Werken dieser "ersten Reihe" von Werkstattkollegen des Dipylon-Meisters. Er beginnt dort, wo Emil Kunze mit seiner wegweisenden Arbeit zu den Disiecta Membra attischer Grabkratere aufgehört hat - mit der Rekonstruktion dieser Gefäße, deren Fragmente heute über mehrere europäische Sammlungen verstreut sind. Insbesondere der Krater Kunze Nr. IV (Coldstream GGP, Nr. 11), von dem nun mit aller Wahrscheinlichkeit auch die Vorderseite der Hauptzone wieder gewonnen werden konnte, eröffnet einen neuen Blickwinkel auf das Oeuvre des Dipylon-Meisters bzw. seiner Werkstattkollegen. Die vorgestellte Rekonstruktion dieses Kraters aus dem Kreis der Werkstattkollegen ergibt nämlich ein Zwillingsstück zum bekannten Prothesis-Fragment Louvre A 517, das von Coldstream jedoch dem Meister selbst zugewiesen wurde (Coldstream GGP, Nr. 4). Dies führt konsequenterweise zu weiteren Fragestellungen: Wie weit sind wir überhaupt in der Lage, Malerände im starren Korsett des geometrischen Stils zu erkennen? Ist nun diese sehr charakteristische Hand, wie sie an den vorgestellten Krateren sichtbar wird, dem Dipylon-Meister, weiterhin einem Werkstattkollegen oder doch eher einem Maler zuzuweisen, der dann aber nach seinem bedeutendsten Werk, Maler von Louvre A 517 genannt werden sollte? Schlussendlich: Wer ist der Dipylon-Meister?
Stephan Karl, Universität Graz
...darf's auch ein bisschen mehr sein? Mehrwert mathematischer Bildverarbeitung in der Archäologie
Der Einzug der Bildverarbeitung in der Archäologie ein spannender, neuer Aspekt der wissenschaftlichen Einordnung und Interpretation archäologischer Artefakte. Insoweit ist die Arbeit an und mit Computer-Daten, eine weitere Facette der "Ära der Digitalisierung" der wissenschaftlichen Arbeit.
Die Verarbeitung digitaler Daten keramischer Objekte ist erfolgreich, falls zwei Faktoren zusammenkommen. Zum einen müssen die erhobenen Daten geeignet sein, die partikuläre, zum jeweiligen Objekt zugehörige Fragestellung zu beantworten. Zum anderen müssen die zur Verügung stehenden digitalen Werkzeuge in der Lage sein, den geünschten wissenschaftlichen Mehrwert aus diesen Daten herauszuarbeiten. In anderen Worten, es reicht nicht, dass die Antwort in den Daten steckt, es müssen auch an die Bedürfnisse der archäologischen Forschung zugeschnittene digitale Frameworks verfügbar sein, welche diese Antwort auch zugänglich machen
Der Vortrag behandelt einige Beispiele solcher Frameworks.
Kamil S. Kazimierski, Universität Graz